Blitz-Sieg im Verlängerungs-Krimi

Olten schien auf der Zielgeraden zum sicheren Cup-Sieg, ehe ein Fehlpass in der 56. Minute Raum für ein regelrechtes Herzschlag-Finale gab. In der Verlängerung avancierte Silvan Wyss mit dem siegbringenden Treffer zum Held des Abends. Sieger der Herzen war aber auch Cyrill Aeschlimann.

Garage Marti

Zunächst schien der Cup-Knüller gegen den Erzrivalen unter keinem günstigen Stern zu stehen. Remo Hirt verpasste das zweite Derby innert sechs Tagen wegen einem geschwollenen Auge. Sein Sehvermögen war nach dem im Abschlusstraining abbekommenen Puck zu schlecht, als dass ein Einsatz möglich gewesen wäre. Hinzu kam nach dem Warm-up der Ausfall von Ryan Vesce. Seit dem Montagtraining klagt der US-Amerikaner über Rückenbeschwerden. 

Aber zum Spiel: Ob es an diesen Vorzeichen lag, oder einen anderen Grund hatte bleibt zu eruieren. Auf alle Fälle legte der EHCO im zweiten Derby innert sechs Tagen nicht mehr jene Leichtigkeit an den Tag wie noch zum Saisonauftakt. Und doch sollte die Mannschaft von Bengt-Ake Gustafsson das Kleinholz-Stadion auch an diesem Abend noch in Ekstase versetzen. Beinahe wäre den Oltnern zunächst ein haarsträubender Fehlpass von Simon Barbero wortwörtlich teuer zu stehen gekommen. Als die Dreitannenstädter sich mit cleverem Defensivspiel und einem wiederum überragenden Simon Rytz der nächsten Cup-Runde näherten, bediente der Franzose in Oltner Diensten Jeff Campbell. Der Langenthal-Kanadier bezwang Rytz mit einem satten Schuss zum 2:2 – die Verlängerung wurde doch noch Tatsache.

In dieser zeigte Silvan Wyss, dass er das Zeugs für die wichtigen Momente hat. Bloss 15 Sekunden brauchte das Trio um den Ex-Langnauer, Cédric Schneuwly und Anthony Rouiller. Schon war der Sudden Death der Langenthaler besiegelt. Wyss trat nach dem Bullygewinn an, knallte die Scheibe in Richtung Mathis und provozierte einen Abpraller, den Scheuwly gefährlich vor die Torlinie brachte (Bild) – Brent Kellys Versuch zu befreien landete direkt auf der Schaufel von Wyss. Der Emmentaler behielt die Nerven und traf in die Maschen des verwaisten Kasten. Das Kleinholz stand Kopf.

Bis zur besagten 56. Minute und dem Ausgleichstreffer der Oberaargauer waren beim EHCO andere Protagonisten federführend gewesen. Cyrill Aeschlimann lieferte in seinem 701. Spiel in Grünweiss den Beweis, weshalb er sich eine Vertragsverlängerung verdient hat. Überhaupt konnte nur die vierte Linie um das Oltner Eigengewächs und die Ex-Lausanne-Junioren Vodoz und Heughebeart bis dahin zählbare Akzente setzen. Den perfekten Traumstart leitete Aeschlimann mit einem Slapshot ein – der vorgerückte Bagnoud versenkte den Abpraller aus der nahen Ecke. Langenthal kam nach dem Ausgleichstreffer durch den Ex-Oltner Dal Pian immer besser ins Spiel – Olten baute zusehends ab. Trotzdem ging der EHCO im durchzogenen Mitteldrittel entgegen dem Spielverlauf abermals in Führung. Diesmal vollstreckte Aeschlimann auf Vorarbeit von Heughebaert gleich selbst. Der Ur-Oltner verdiente sich damit die Auszeichnung zum Bestplayer.

Dass es schliesslich zum Verlängerungs-Krimi kam, lässt den Sieg gegen den Erzrivalen umso süsser schmecken. Entsprechend sass der Schock bei den Oberaargauern tief. Weiter geht’s für den EHCO am Samstag mit einem Gastspiel in Visp. (yas)

Bild: Hansruedi Aeschbacher

Olten - Langenthal 3:2 (1:1, 1:0, 0:1, 1:0) n.V.

3847 Zuschauer. - SR DiPietro/Hebeisen; Altmann/Kaderli. - Tore: 3. Bagnoud (Heughebaert) 1:0. 14. Dal Pian (Leblanc, Schommer) 1:1. 35. Aeschlimann (Heughebaert) 2:1. 56. Campbell 2:2. 61. (60:15) Wyss (Schneuwly, Rouiller) 3:2. - Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Olten, 5-mal 2 Minuten gegen Langenthal.