Topshot für den EHCO

Mit der überraschenden Verpflichtung von Marco Truttmann und der Ausleihe von Andrea Grassi beendet der EHCO seine Haupttransferaktivitäten.

Topshot für den EHCO

Zwei glückliche Gesichter beim Handshake nach erfolgreiche Vertragsunterschrift: EHCO-Geschäftsführer Peter Rötheli und Marco Truttmann.

 

"Die Nummer 94, so wie in Biel", antwortet Marco Truttmann etwas überrascht auf die Frage von EHCO-Geschäftsführer Peter Rötheli, welche Trikotnummer er denn wünscht zu tragen. Mit der Verpflichtung vom kleinen Wirbelwind, lässt der EHCO mitten im Sommer also die letzte grosse Transferbombe platzen.

"Spannend an der Verpflichtung ist, dass ich mit ihm bereits vor rund viereinhalb Jahren ein gutes Telefongespräch führte und ihn am liebsten verpflichtet hätte. Damals spielte er noch bei Thurgau und gab mir unverhohlen zu verstehen, dass der EHCO keine echte Alternativen für ihn sei — so schnell ändern sich die Zeiten", meint Peter Rötheli mit einem wohltuenden Schmunzeln nach erfolgter Vertragsunterzeichnung.

Aufstieg mit Biel

Vor viereinhalb Jahren feierte Truttmann im Übrigen mit dem EHC Biel den Aufstieg in die NLA und konnte sich auch in der höchsten Spielklasse durchsetzen. In der NLB spielte er damals in den Saisons 2005/2006 bis 2007/2008 hauptsächlich für den HC Thurgau, wobei er in den Saisons 2006/2007 und 2007/2008 jeweils bei Biel die Saison beendete und wie erwähnt im Jahr 2008 mit den Bielern in die NLA aufstieg. In bisher 104 NLB-Spielen kam der 27-jährige auf insgesamt 125 Punkte, was einem Punktedurchschnitt pro Spiel von 1.2(!) entspricht. In den Playoffs erreichte er immerhin noch einen Wert von 0.77. "Tatsächlich?", fragt Truttmann etwas verlegen, nachdem ihm seine Statistiken vorgelegt werden. "Aber klar, ich bin hier nach Olten gekommen, um möglichst viele Skorerpunkte zu erzielen. Gleichzeitig reicht ein einziger Spieler der viel scort nicht aus, um die Mannschaft weiter zu bringen. Ich will einfach ein wichtiger Bestandteil von Olten sein und mit dieser Mannschaft ganz vorne in der Tabelle mitspielen", so Truttmann, der sich für zwei Jahre an den EHCO gebunden hat.

Für Peter Rötheli ist ebenfalls klar, dass der EHCO Truttmann vor allem wegen seinen Skorerqualitäten verpflichtet hat. "Im Weitern ist es so, dass unser Trainerteam das Puckpossession-Spiel fördern will. Das heisst: offensiv spielen und dabei dominant auftreten. So das die Post abgeht", meint Rötheli mit einem Schmunzeln.

Rest der Liga ausgestochen

"Es gab noch drei andere Spieler von ähnlichem Kaliber, mit denen wir im Gespräche waren. Die unterschrieben allerdings bei anderen Vereinen und so intensivierten wir die Gespräche mit Marco Truttmann", erklärt Rötheli, wie es schliesslich zur Verpflichtung kam, die allerdings alles andere als selbstverständlich ist. Von seinem bisherigen Verein EHC Biel wurde Marco Truttmann im Weiteren ebenfalls ein Vertrag vorgelegt. Das Bieler Tagblatt vermeldete ausserdem am 17. April, dass Truttmann bei Ambri-Piotta einen Vertrag unterschrieben habe und in Langnau wurde er als Ersatz für den verletzten Nationalspieler Simon Moser gehandelt - ausserdem waren die Top 4 der NLB ebenfalls hinter dem talentierten Stürmer hinterher. "In die Romandie wollte ich nicht und mit den Angeboten von einigen Club konnte ich mich nicht einverstanden geben. Dies galt auch für das Angebot in Biel", wobei er dabei nicht auf die Details eingehen möchte. Er habe einfach gespürt, dass Olten ihn unbedingt wolle und er ausserdem gute Erinnerungen von seinem kurzen Intermezzo in der Dreitannenstadt der Saison 2004/2005 (5 Spiele) an Olten habe.

Talent aus Lugano

Die Verpflichtung von Marco Truttmann ist als absoluter Topshot zu bezeichnen, wird er doch auch in diversen Profilbeschrieben als spektakulärer und läuferisch überdurchschnittlicher Spieler bezeichnet, der damit seine fehlenden physischen Komponenten (173 cm gross, 70 kg schwer) wett machen könne.

So weit ist der mit einer A-Lizenz an den EHCO ausgeliehnen Luganesi Andrea Grassi (noch) nicht. Der 20-jährige Stürmer gilt aber als enormes Talent, hatte in Lugano allerdings bisher nicht die Möglichkeit dies auch wirklich unter Beweis zu stellen. Ihm wurde zwar bereits vergangenen Saison prophezeit, dass Grassi nach seinen Debutreffer in der Saison 2010/2011 noch manchen Skorerpunkt liefern werde. In der Saison 2011/2012 gelang ihm allerdings kein einziges Tor. Der 183 cm grosse und 83 kg schwere Grassi benötigt offensichtlich noch etwas Zeit um sich an seine Werte aus Juniorenzeiten (30 Punkte in 21 Spielen in der Saison 2010/2011) heranzutasten. "Ein grosser Pluspunkt bei ihm ist, dass er körperbetont spielen kann", ist Rötheli überzeugt.

Mit diesen beiden Verpflichtungen seien die Haupttransferaktivitäten für den EHCO abgeschlossen. Man habe ein grosses Kader und neben Topstürmern, habe man die Abgänge in der Defensive kompensieren, ja die Stabilität gar erhöhen können, ist Rötheli überzeugt. "Mit Parati, Ganz, dem Rückkehrer Haldimann und dem neu in der Defensive spielenden Aeschlimann konnten wir in diesem Mannschaftsteil einen Schritt nach vorne machen."

Der EHCO darf nach den letzten beiden getätigten Transfers mit breiten Schultern in die neue Saison starten. Ein Selbstläufer wird es natürlich nicht, aber in diesem Team steckt enorm viel Potenzial. (Andreas Hagmann)

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